Adjö Stockholm!

Viel zu schnell ist die Zeit in Stockholm vergangen und ich kann es kaum fassen, dass mein Auslandssemester in der schwedischen Hauptstadt schon wieder vorbei ist. Heute ist mein letzter Tag in Stockholm. Es ist schon ein seltsames Gefühl im (fast) leeren Wohnheimzimmer zu sitzen und der Abschied fällt nicht leicht. Doch im Moment überwiegt die Vorfreude auf die bevorstehende Reise nach Norwegen und Finnland…

Ich weiß noch nicht, ob und wieviel ich während der Reise bloggen werde. Ein bisschen Entzug von den ubiquitären Medien schadet bestimmt auch nicht :) .

Über ein Wochenende voller Ausflüge, einen Zuckerschock und das grünste aller Grüns

GrünDie Vegetation hier ist etwa einen Monat später dran als in Deutschland. Dafür grünt jetzt alles umso mehr. Ich bin beeindruckt von den intensiven Farben… die bunten Häuser, das frische Grün der Blätter und Wiesen, das tiefe Blau des Himmels (wenn schönes Wetter ist). Am Sonntag waren David und ich in Skansen, einem tollen Freilichtmuseum über schwedische Kultur und Traditionen. Hier können die Besucher sehen, wie früher Werkzeuge, Möbel, etc. hergestellt wurden, es gibt viele typische schwedische Häuser, skandinavische Tiere und viel Grün. BärenjungeMomentan ist ein idealer Zeitpunkt für den Besuch in Skansen, da im Frühjahr viele Tierjunge geboren wurden. Den drei Braunbärkindern könnte man stundenlang beim spielen, toben, klettern und erkunden zusehen. Unbeholfen klettern sie Baumstämme hoch, um sich erst danach zu überlegen, wie sie da wieder runterkommen.

Auch im Nobelmuseum waren wir, das eher klein ist. Jedoch ist dort gerade eine sehr interessante Ausstellung über Meinungsfreiheit “Freedom of Expression – How Free is Free?”. Die Ausstellung fanden wir beide besser, als das Museum selbst. Direkt am gleichen Platz, dem Stortorget in Gamla Stan ist das Café Chokladkoppen, wo es sehr leckere heiße Schokolade und Kuchen gibt. Gröna LundDanach hatten wir erst einmal einen Zuckerschock, aber das hat sich allemal gelohnt! Der Ausflug in den Freizeitpark Gröna Lund, einer der ältesten Freizeitparks Skandinaviens, hat sich auch gelohnt. Er ist zwar eher klein, aber direkt am Wasser gebaut. Beim Achterbahnfahren hat man so einen tollen Blick über das Wasser auf Stockholm.

Die Zeit hier in Stockholm ist wahnsinnig schnell vergangen und schon am 5. Juni verlasse ich die schwedische Hauptstadt, um durch Norwegen und Finnland zu reisen. So langsam muss ich schon meine Abreise vorbereiten. Der Abschied von Stockholm wird mir nicht leicht fallen, aber ich freue mich auch schon wieder auf Deutschland, insbesondere darauf, Familie und Freunde wiederzusehen.

Neues vom Korridor

Seit ein paar Tagen lag ein merkwürdiger Geruch in unserer Korridorluft. Dieser verschwand auch nicht, nachdem der Küchenmüll entsorgt wurde. Esther verdächtigte verbrannte Karotten, während ich den Gestank mit Verwesung assoziierte. Ich war ziemlich froh, als Esther mich heute über die Quelle des Übels aufklärte: jemand hat Tiefkühlhähnchen auf die Truhe gelegt und dort vergessen. Es hat vermutlich ne Woche oder so in der dunklen Ecke gelegen. Wenigstens keine tote Maus.

Wolfram Alpha online und Pixel City

Wolfram Alpha, eine computational knowledge engine, ist jetzt online. Ambitionierte Köpfe stecken hinter dem Projekt. Schaut’s euch am besten selbst mal an!

Außerdem bin ich fasziniert von Pixel City:

Freiheit nicht trotz sondern wegen des Staats?

Freiheit In Schweden erlebe ich eine eigenartige Mischung aus Individualismus und Gemeinschaft. Während das politische System sehr gemeinschaftlich ausgestaltet ist, der Staat an vielen Punkten interveniert und umverteilt, wirken die Schweden eher individualistisch. Daraus erwächst jedoch eher Gleichgewicht als Spannung.

Im schwedischen Staat wird Individualismus durch diesen starken Eingriff gefördert. Dies scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein. In Schweden sind Individuen weitgehend finanziell unabhängig von ihren Familienmitgliedern. Bei Scheidungen fließen keine großen Geldsummen. Der Staat finanziert das Studium der Kinder unabhängig davon wie reich die Eltern sind. Ist das nicht ungerecht? Ich denke nein, denn der Spitzensteuersatz ist gleichzeitig so hoch, dass Gutverdienende genug zur Kasse gebeten werden. Natürlich kostet so eine starke Umverteilung jede Menge Geld und bedeutet Verwaltungsaufwand. Dennoch werden dadurch individuelle Lebensformen gefördert. Eine Patchworkfamilie ist nicht schlechter gestellt als eine “traditionelle” Familie. In Deutschland dagegen wird die traditionelle Familienform hochgehalten und durch den Staat am meisten gefördert.

Wickeltische in MännertoilettenDoch ich will den schwedischen Staat nicht idealisieren. Ein Vater, Jan-Olaf Gustafsson, beklagt genau diesen Aspekt . Der schwedische Staat zwinge Frauen zum arbeiten und ihre Kinder in Tagesstätten zu geben. Die Kinder selbst großziehen zu wollen, führe zu starken finanziellen Nachteilen. Nichtsdestotrotz finde ich es prinzipiell gut, dass der schwedische Staat alle Bürger gleichstellt in Zeiten von Scheidung, Patchworkfamilie und gleichgeschlechtlicher Ehe. Auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist hier weiter als in Deutschland. Mehr Väter nehmen in Schweden Elternzeit. Es gibt Männertoiletten mit Wickeltischen, wenn auch bei weitem nicht alle damit ausgestattet sind. Hier ist mir erst bewusst geworden, dass Wickeltische ausschließlich in Damentoiletten ein starker Ausdruck klassischer Rollenverteilung sind. Wir haben uns schon so sehr daran gewöhnt, dass wir solche Dinge gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Das Verhältnis zwischen schwedischen Männern und Frauen wirkt einfach entspannter. Die männlichen Erasmus-Studenten sind ganz begeistert von den vielen schlanken, blonden und rocktragenden Schwedinnen hier. Knappe Röcke und Kleider sind an der Tagesordnung. Das liegt aber nicht nur an dem Modebewusstsein der Frauen, sondern sicher auch daran, dass die schwedischen Männer ganz entspannt an ihnen vorbei laufen, ohne sich den Hals zu verrenken und ihnen lüsterne Blicke zuzuwerfen.

EU-Wahlen 2009

Na, wisst ihr schon, wen ihr am 7. Juni in der Europawahl unterstützt? Der Wahl-O-Mat zur Europawahl 2009 der Bundeszentrale für politische Bildung ist nun online.

An der Stockholmer Universität haben engagierte Studenten schon ihr Lager aufgeschlagen und werben für die zur Wahl stehenden Parteien. Ich laufe derweil Slalom – für politische Diskussionen reicht mein Schwedisch nicht ganz aus ;) .

Diskussion um staatliche Intervention

Hier im Tagesspiegel findet ihr einen guten Kommentar über die derzeit im Zusammenhang mit der Sperrung von Internetseiten diskutierten “Verbotspolitik” der Regierung.

Noch ein guter Artikel in der Zeit zum Thema, der die unsaubere Argumentation der Bundesregierung bei der Begründung des geplanten Gesetzes für Internetsperren aufzeigt.

Off topic: Petition gegen die Sperrung von Internetseiten

Über 55.000 Leute haben die Petition gegen die Indizierung und Sperrung von Internetseiten schon unterzeichnet. Falls ihr auch gegen die geplante Gesetzesänderung seid, könnt ihr hier die Petition unterstützen.

Der Petitionstext lautet: “Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.”

Ein seltsames Gefühl und Kaffee, Kaffee, Kaffee

KaffeeEs hat sich merkwürdig angefühlt, als ich vergangenen Donnerstag im Flugzeug von Stockholm nach Frankfurt geflogen bin. Ein bisschen so, als ob ich von meinem einen Zuhause zum anderen Zuhause reise. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Tag in Stockholm und die erste Nacht in meinem neuen Zuhause. Es hat sich alles fremd angefühlt. Ich habe mich so schnell eingelebt und an Stockholm gewöhnt. Sogar daran, dass alle eine andere Sprache sprechen, die ich nur teilweise verstehe. Ich habe schon an vielen verschiedenen Orten gewohnt – wo bin ich denn zu Hause? An mehreren Orten ein bisschen und vor allem dort, wo die Menschen wohnen, die mir am wichtigsten sind, würde ich jetzt spontan antworten. Wir haben ja auch multiple Identitäten (manche wohl mehr, manche weniger), wie viele Sozialwissenschaftler betonen. Seit Montag bin ich zurück aus Deutschland und als ich wieder in Stockholm gelandet bin, hatte ich das erste Mal seit langem wieder das starke Bewusstsein im Ausland zu sein. Aber das ist auch schon wieder verflogen…

Gestern war ich im Konzerthaus und habe die Stockholmer Philharmoniker gehört: “En skärgårdssägen” (Alfvén), “En Midsommarnattsdröm-svit” (Mendelssohn-Bartholdy) und “Pianokonsert nr 2″ (Beethoven). Der Pianist war Hans Leygraf, der bereits 1931 zum ersten Mal im Stockholmer Konzerthaus spielte. Die Zuschauer würdigten ihn mit langem Applaus und standing Ovations.

Was ich verwunderlich fand (abgesehen davon, dass das Publikum sehr alt war – in der Münchner Philharmonie habe ich auch immer einige jüngere Leute gesehen), war die Beobachtung, dass fast alle Zuschauer in der Pause Kaffee getrunken haben. In Deutschland trinkt man meist Sekt oder Orangensaft. Da wird mal wieder deutlich, wie gerne und viel Kaffee die Schweden trinken. Kaffeetrinken hat in Schweden eine lange Tradition. Schweden liegt bei weltweiten Kaffeetrink-Ranglisten meist vorne und wird höchstens von Finnland überholt. In den Supermärkten hier gibt es viel Auswahl an verschiedenen Kaffeesorten und der Kaffee ist günstiger als in Deutschland. Neulich habe ich mich gewundert, warum mein Kaffee so dünn war – da hatte ich versehentlich “Kokkaffe” (siehe Bild) statt “Brykkaffe” gekauft. Den kocht man logischerweise anstatt ihn aufzubrühen. In Cafés bekommt man in Schweden (wenn man “normalen” Kaffee bestellt und nicht Latte Macchiato oder so) eine Tasse und man schenkt sich das heiße Getränk selbst ein. Oft darf man auch so oft wieder auffüllen wie man will. Schweden ist also ein Paradies für alle Kaffeejunkies.

Wollte noch loswerden…

Waldblumen… dass der Frühling jetzt definitiv da ist. Nein, auch hier sind keine Minusgrade mehr. Die Stein-Wegräum-Maschinen haben ganze Arbeit geleistet und die Unmengen an kleinen Steinen, die in Stockholm im Winter gestreut wurden, irgendwie beseitigt. Streusalz ist hier natürlich verpönt. Nur in meinem Zimmer ist leider keine solche Maschine vorbei gekommen – ich habe immer noch ein paar Erinnerungen an den Winter hier. Mittlerweile ist es mit fast 16 Stunden Tageslicht schon heller als in Deutschland (etwa 14,5 Stunden in Freiburg). Ob der April in Stockholm allerdings auch einen Wärmerekord wie in Deutschland aufgestellt hat, bezweifle ich.

Ich freue mich auf den skandinavischen Sommer!!

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